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Von Mediasch nach Schäßburg

Fährt man auf der D14 von Mediaș (Mediasch) nach Schäßburg (Sighișoara) und möchte keine weiten Abstecher nach Vulcan, -> Kreisch oder Biertan machen, so bieten sich einige Sehenswürdigkeiten nahe der Straße an. Da ich Mediaș als Stadt nicht besonders mag, beginne ich mit Eppeschdorf oder heute Elisabethenstadt (Dumbrăveni).

Dumbrăveni (Elisabethstadt)

Die Kleinstadt mit rund 8.000 Einwohnern wurde im 13. Jhdt. von den Siebenbürger Sachsen gegründet und machte auf mich den Eindruck einer eher ärmeren rumänischen Ortschaft. Das mag zum einen am hohen Anteil der ţigani in der Stadt zum anderen aber am schlechten Zustand des Apafi-Schlosses und insbesondere der armenisch-katholische Kirche Sf. Elisabeta liegen, auch wenn es sich bei beiden um eindrucksvolle Bauwerke handelt.

Die armenisch-katholische Kirche Sf. Elisabeta in Dumbrăveni
Die armenisch-katholische Kirche Sf. Elisabeta in Dumbrăveni

Die Kirche wurde 1766 bis 1791 erbaut, als die Stadt zu einigem Reichtum gekommen war. Mihail Apafi I. hatte im 16. Jhdt. viele Armenier angesiedelt, die Dumbrăveni zu einem lokalen Handelszentrum machten.

Die erste Kirche aus Stein wurde von den Armeniern zwischen 1723 und 1725 errichtet. 1763 wurde das Gebäude jedoch durch eine  Überflutung des nahe gelegenen Flusses Târnava Mare schwer beschädigt, und es wurde daher beschlossen, eine neue und grössere Kirche an einem überschwemmungssicheren Ort zu errichten. Die Wahl fiel auf den zentralen Platz neben dem Apafi-Schloss. 1767 stockte der Bau nach Errichtung der Fundamente wegen Geldmangels. Erst 10 Jahre später war durch eine  Schenkung von 6000 Forint durch Kaiserin Maria Theresia wieder ausreichend Geld vorhanden und der Bau konnte mit weiteren Spenden religiöser Gesellschaften und privater Spender weitergeführt werden.
Am 19. Juli 1783 wurden die goldenen Kreuze auf den damals zwei Türmen platziert. In der Turmkugel befindet sich ein Dokument, das Auskunft über die am Bau Beteiligten gibt:  Der Prager Architekt Francis Gindtner (Kinther), die Maler Ioan Steller und Albert Csávási aus Vintu de Jos, sowie Zimmerer und Maurer.

Was man heute im Inneren sieht, ist größtenteils von Simon Hoffmayer,  einem der wichtigsten Barockbildhauer Siebenbürgens, am Ende des achtzehnten Jahrhunderts geschaffen worden. Der Bau der Kirche und wurde im Jahr 1791 abgeschlossen und am 28. Juni mit einem prunkvollen Fest der heiligen Elisabeth geweiht.

Die fehlende Spitze des linken Turms ist einem schweren Sturm im Jahre 1927 geschuldet, der sie herunter riss. Sie wurde nicht wieder ersetzt.

Die armenisch-katholische Kirche Sf. Elisabeta in Dumbrăveni
Die Decke des Hauptraums ist wenig vertrauenswürdig

Mein sorgenvoller Blick galt beim Betreten des Kirchenschiffs der Decke (Bild durch Anklicken vergrößern). Zumindest steht die Kirche inzwischen unter Denkmalschutz.

Das gegenüber liegende Apafi-Schloss konnte ich leider nicht besichtigen. Um sich einen Eindruck zu verschaffen, hält diese -> Seite einige sehr schöne Bilder vor. Hier ein Foto von der Rückseite, um am Unterschied zwischen den Bildern den aktuellen Zustand zu zeigen.

Das Apafi-Schloss (Rückseite)
Das Apafi-Schloss (Rückseite)

 

Daneș (Dunesdorf)

In Daneş gibt es eine kleine Wehrkirche, die von Studenten in den letzten Jahren restauriert wurde. Den Schlüssel dazu hat ein älterer Herr, der gegenüber der Kirche wohnt und für ein paar RON sehr dankbar ist. Er ist einer der vielen rumänischen Rentner, deren Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber nicht abgeführt wurden und die heute mehr schlecht als recht über die Runden kommen.
Das Sachsen-Dorf wird im 14. Jhdt. erstmals in Urkunden erwähnt und hatte eine wechselvolle und oft auch unglückliche Geschichte. Der gesamte Ort brannte im 15. Jhdt zweimal nieder und wurde im 16. Jhdt. von den Türken überfallen und geplündert. Die Kirche wurde 1506 ohne Turm errichtet, der erst 1927 erbaut wurde. kirchenburgen.org schreibt dazu „Durch den Bezug auf die 800-jährige Geschichte der Siebenbürger Sachsen sollte wohl ein Zeichen der Selbstbehauptung gegenüber des seit 1918 existierenden großrumänischen Staates gesetzt werden.

Die Kirchenburg in Daneș (Dunesdorf)
Die Kirchenburg in Daneș (Dunesdorf)

Von der Wehrmauer ist nur der südliche Abschnitt mit einem Wehrturm erhalten, wobei die Mauer auch zur damaligen Zeit kein wirkliches Hindernis dargestellt haben dürfte.

Wehrturm der Kirchenburg in Daneș (Dunesdorf)
Wehrturm der Kirchenburg in Daneș (Dunesdorf)

Das Innere der Kirche ist schlicht ausgestattet, aber es finden immer noch regelmäßig Gottesdienste dort statt, die im Winter aufgrund der Temperaturen in das nebenan liegenden Gemeindehaus verlagert werden. Von stattlicher Größe ist allerdings die Orgel, die sich Dunesdorf 1920 leistete.

Die Kirchenburg in Daneș (Dunesdorf)
Die Kirchenburg in Daneș (Dunesdorf)

Sighișoara (Schäßburg)

Endstation dieses Artikels ist Schäßburg, eine Stadt, die vom Tourismus lebt und in der angeblich Dracula bzw. Vlad geboren wurde. Angeblich, denn Vlad war ja auch nie auf der Burg Bran, obwohl diese Burg den Touristen als die Dracula-Burg schlechthin angepriesen wird. Nun gibt es genügend Seiten im Internet, auf denen man Material zur Geschichte der Stadt findet und viele schöne Bilder gibt es z.B. bei -> Urlaubsguru, so dass ich hier eine weniger bekannte Sehenswürdigkeiten beschreiben möchte.

Der Friedhof bei der Bergkirche, die neben der Schäßburger alten Schule liegt, strahlt besonderes Flair aus. Für die Schüler wurde die mit Holz überdachte Schülertreppe gebaut und vorbei an der Schule und Kirche gelangt man zum Bergfriedhof, auf dem seit dem 18. Jhdt. die Schäßburger ihre Toten bestatten.

Gräber auf dem Bergfriedhof von Schäßburg
Gräber auf dem Bergfriedhof von Schäßburg

Gräber auf dem Bergfriedhof von Schäßburg

 

 

 

 

 

 

Hier sind neben den Ehrengräbern auch Soldaten aus den Weltkriegen auch die Künstler und Honoratioren der Stadt begraben. Eine sehr gute Beschreibung dazu findet sich -> hier. Neben dem Eingang findet sich ein imposanten kleines Gebäude, das sehr viel Romantik ausstrahlt und ich vermute, dass es  dem Friedhofswärter zugedacht war.

Das Haus des Friedhofswärters vom Bergfriedhog Schäßburg
Das Haus des Friedhofswärters vom Bergfriedhog Schäßburg

Der Abstieg lohnt sich vorbei am Totenhaus durch eine Maueröffnung oder über die Böschung hinter der Schule. Geht man links, geht man an der alten Befestigungsmauer entlang, rechts geht es über zuerst schmale und dann steile Pfade und eine enge Treppengasse in die untere Stadt.

Blick in die Stadt Schäßburg
Blick in die Stadt Schäßburg

Einkehren kann man dann in Die Alte Post, einer ehemaligen Poststation der Habsburger und nun ein Gasthaus, in dem man relativ günstig übernachten und hervorragend essen kann.

Buy Me a Coffee at ko-fi.com

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