Ostern in Rumänien (Paștile)

Osterei mit Blatt und Nylonstrumpf in Zwiebelschalensud gefärbt

Ostern (rum. Paștile/Paște) ist neben Weihnachten das höchste kirchliche Fest und ich möchte hier ein paar Bräuche beschreiben, die in den meisten Familien noch gelebt werden. Das orthodoxe Ostern findet meist eine Woche nach dem Osterfest der westlichen Kirchen statt. Der Grund ist die unterschiedliche Berechnung des Ostertermins nach dem gregorianischen und julianischen Kalender. Zudem gibt es noch die Regel, dass das orthodoxe Ostern nicht vor dem jüdischen Pasha-Fest stattfinden darf. Auf -> Wikipedia* kann man das sehr ausführlich nachlesen.

*) Aufgrund der politischen Linkslastigkeit der deutschen Wikipadia verlinke ich Artikel nur ausnahmsweise.  

Rote Eier zu Ostern

Am Ostersonntag müssen traditionell rote Eier auf den Tisch. Dieser Brauch stammt noch aus der Antike. Einer neueren Legende nach legte die Mutter Gottes einen Korb mit Eiern unter das Kreuz, um die Soldaten dazu zu bewegen, sich ihres Sohnes zu erbarmen. Das Blut des Erlösers als Symbol des Lebens floss dann über die Eier im Korb und machte sie rot.

Viele Hausfrauen färben hier die Eier zu Ostern noch in einem kräftigen Sud aus den Schalen von roten Zwiebeln. Meine Nachbarin hat neben den einheitlich rot gefärbten Eiern noch zwei Methoden, mit denen die Eier verziert werden. Für die „gesprenkelten“ Eier werden die Eier einzeln in die Reste der Kunststoffnetze fest eingebunden, in denen man Kartoffeln kaufen kann. Für die Blattmotive werden kleine Blätter aus dem Garten nass auf das ungefärbte Ei aufgelegt und in alten Nylonstrümpfen fixiert.

Die Eier werden vom Ostersonntag bis Himmelfahrt gegessen. Zum Aufschlagen nimmt jeder ein Ei und der älteste Mann am Tisch hat das Vorrecht als Erster das Ei gegen das seines Tischnachbarn zu schlagen (ciocnesc ouă). Dabei wird die traditionelle Formel „Hristos a inviat!“ (Christus ist auferstanden!) gesprochen, worauf der Andere mit „Adevarat a inviat!“ (Er ist wahrhaftig auferstanden!) antwortet.
Diese Formel wird an den Ostertagen auch als Gruß verwendet.

Pasca – Käsekuchen zu Ostern

In meiner Gegend scheint dieser Brauch etwas in Vergessenheit geraten zu sein und wie ich gelesen habe, gibt es auch sehr viele unterschiedliche Zubereitungsformen. Wesentliche Merkmale des Pasca sind seine runde Form und ein „Zopf“ aus zwei Teigsträngen am Rand, die die Verbundenheit der aufeinander folgenden Generationen ausdrücken soll. Vielerorts wird der Kuchen zusätzlich noch mit einem Kreuz verziert. Inzwischen ist es aber oft nur noch ein ganz normaler Käsekuchen. Wer sich für das Nachbacken interessiert, findet -> hier einige Rezepte.

Das Osterlamm

Wie auch in der westlichen Tradition hat das Lamm im orthodoxen Brauchtum eine wichtige Bedeutung. Das Lamm ist eines der Symbole, unter denen Christus oft dargestellt wird und das Lammopfer ist daher ein Symbol für seine Kreuzigung und seinen Tod. Lammbraten gehört daher zu einem bevorzugten Gericht zu Ostern. Damit die Schafe weiterhin Milch geben, wurden sie gedeckt und die überzähligen und vor allem männlichen Nachkommen werden um die Osterzeit geschlachtet.
Da man in Rumänien alles verwertet, wird aus den Innereien (Herz, Lunge, Nieren, Milz, Leber) eine Art Hackbraten hergestellt, der -> drop de miel. Er wird kalt mit frischem Weißbrot gegessen.
Wie an Weihnachten (rum. crăciun) zählt auch -> Sarmale zu den traditionellen Ostergerichten und wird bereits am Gründonnerstag oder Karfreitag zubereitet, denn aufgewärmt schmecken Sarmale noch viel besser.

Traditionelle Zubereitung der Saramale
Traditionelle Zubereitung der Saramale

Die Osterkerze

Die Kerze, vielleicht das wichtigste Symbol der Auferstehung zu Ostern, steht für den Sieg des Lebens über den Tod und des Guten über das Böse. Die Kerze wird nach dem Gottesdienst angezündet mit nach Hause genommen und dem Volksglauben zufolge wird diese Kerze bei Gefahr oder in großer Not, bei Erdbeben und schlechtem Wetter vor einer Ikone entzündet.

…und der Osterhase

Den Osterhasen gibt es auch in Rumänien. Auch hier ist das Kaninchen sehr vermehrungsfreudig und der Ursprung des Osterhasen dürfte daher auf die vorchristliche Fruchtbarkeitssymbolik zurück gehen. Wie im Westen Europas werden auch hier kleine Geschenke, Eier und Süßigkeiten für die Kinder im Garten versteckt.

Übrigens: Auch der auf Ostern folgende Dienstag ist in Rumänien ein Feiertag!

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