Die Iele – verführerisch und grausam

Lied der Iele: Andantino

Im Gegensatz zu den eher gutmütigen und wohlmeinenden Elfen sind die rumänischen Iele sehr ambivalente Charaktere, auch wenn sie viele Züge ihrer westeuropäischen Verwandten teilen. Auch sie sind Luftgeister, die meist in monderhellten Nächten schwebend auf Lichtungen oder unter Laubbäumen tanzen, die Musik lieben und ihre Gesänge mit betörenden Stimmen zum Besten geben. Ihre Gruppe ist immer von ungerader Zahl, also drei, oft sieben oder neun Iele und ihre Tanzplätze der letzten Nacht erkennt man am im Kreis nieder getretenen Gras. Dort soll man auch oft Hinterlassenschaften wie gläserne Perlen, fein gearbeitete Flöten oder einen Marmorschuh (vgl. Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Band XXXVII, 1870).

Lied der Iele: Andantino
Lied der Iele: Andantino
Lied der Iele: Allegretto
Lied der Iele: Allegretto

Iele bekommt man nur aus zwei Gründen zu Gesicht: Begegnet man ihnen nachts bei ihrem Tanz der Horă (ein rumänischer Reigentanz), so kann man sie beobachten, darf sie aber nicht stören, denn das hätte die sofortige Lähmung des Besuchers zur Folge. Singt oder spielt man ihre Lieder, strafen die Iele mit Stummheit.
Der zweite Grund, einer Iele zu begegnen, ist in ihrer Lust an der Verführung junger Männer zu suchen. Sie nehmen dann die Gestalt junger und gut aussehender Frauen an und lauern Burschen an Wegkreuzungen auf, um sie in unbekannte Gegenden zu locken und sie dort zu verführen. Der so Beglückte ist von nun an dazu verdammt, Tag und Nacht von Liebessehnsucht und erotischen Traumbildern getrieben umher zu irren. Er vergisst seine Geliebte, seine Eltern, seine Familie und sein Dorf und bleibt auf der erfolglosen Suche nach Erfüllung seines erotischen Begehrens.

In den Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Band XXXVII von 1870 ist davon die Rede, dass es nur drei Iele (dort: Jelele) gibt, die Jungfrauen und Schwestern sein sollen, was aber auf Kronstadt begrenzt zu sein scheint. Möglicherweise handelt es sich auch um eine Verwechslung der Iele frumoase, der Lichtelfen mit den Iele urăta, den Dunkelelfen, die stets in Dreiergruppen auftreten.

Elfe
Elfe

Benötigt man die Hilfe der Iele, so spricht man ein Bittgebet, in dem man sie mit schmeichelnden Anreden um ihre Hilfe bittet: Ihr Schönen, Ihr Wunderbarsten, Ihr Prächtigsten, Ihr Geliebten, …
Im Gegensatz zur Bestrafung böser Menschen ist ihre Hilfe keine Pflicht, sondern eine Gnade und Gunst (vgl. Die mythischen Erzählwelt des Wassertales, Anton-Joseph Ilk, ISBN 978-3-900424-86-2).

Ihrem Gegenpart, den Ieele urăta, den Dunkelelfen, geht man am besten aus dem Weg. Ihnen wird nachgesagt, dass sie einen Brunnen allein dadurch vergiften können, dass sie daraus trinken. Sie sind beinahe ähnlich unheilbringend, wie die Maica cälätorarea, die reisende Frau, die sich „auf ihrem langen, mühseligen Wege nur von Herzen der Menschen und Tiere ernährt“ und die Pest und den Tod bringt.

Dazu demnächst mehr über die Pest, das Pesthemd und seine Herstellung.

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