CoVid-19 in Rumänien – Lockungen und Drohungen

Erste Proteste in Rumänien gegen die Corona-Massnahmen

Ende März habe ich in meinem Beitrag -> Corona in Rumänien – Die Proteste beginnen über aufflammende Proteste gegen die CoVid-19-Maßnahmen berichtet. Seither war in der Presse nichts mehr darüber zu lesen, was vermutlich auf die vom Präsidenten Klaus Iohannis kurz darauf in Aussicht gestellten Lockerungen der Maßnahmen zurück zu führen ist. In den letzten zwei Wochen wurde von vielen führenden Regierungsmitgliedern der 1. Juni als Endtermin für die meisten Maßnahmen genannt. Zum 1. September sollte demnach Rumänien wieder zum „normalen Leben“ zurück kehren.

Quelle Titelbild: Alexander Hauk / alexander-hauk.de  / pixelio.de

Die Lockungen

Klaus Iohannis hat am 13. Mai die Ergebnisse einer Regierungskonferenz vorgelegt, bei der ein Zeitplan für die Rücknahme der Maßnahmen erarbeitet wurde:

  • Ab dem 15. Mai entfällt die Maske im Freien, wobei für Märkte und Messen, in öffentlichen Verkehrsmittel und an Haltestelle weiterhin Masken obligatorisch sind.
    (In meinem Dorf sieht man niemand mit Maske. In der angrenzenden Stadt gibt es wenige Ausnahmen, lediglich in den Geschäften hält man sich daran.)
    Auch die nächtliche Ausgangssperre von 22:00 Uhr bis 5:00 Uhr wird aufgehoben und die Geschäftszeitbegrenzungen fallen.
  • Ab dem 1. Juni sind Hochzeiten, Taufen und andere Festlichkeiten mit maximal 70 Personen im Freien erlaubt. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 50 Personen.
    Wenn der Veranstalter garantiert, dass alle Personen geimpft sind, gibt es keine zahlenmäßige Begrenzung. Gleiches gilt auch z.B. für Fitnessstudios.
  • Was genau zum 1. August und schließlich zum 1. September an Rücknahmen geplant ist, ist derzeit nicht bekannt. In Frage kämen dabei die Maskenpflicht (siehe oben) und die Personenbegrenzungen bei der Differenzierung zwischen Geimpften und Ungeimpften.

Die Drohungen

Natürlich bindet auch Iohannis seine Öffnungspläne an den Fortschritt bei den CoVid-19-Impfungen und erwähnt ausdrücklich auch die Möglichkeit einer „Handbremse“.

Einen Tag nach Veröffentlichung der Lockerungspläne sagt Răzvan Cherecheș, Professor an der Babeș-Bolyai-Universität, dass die Impfrate aufgrund der Regierungsplanung weiter sinken werde und im Herbst eine 4. CoVid-19-Welle auftreten wird (Anm: Die von vielen renommierten Ärzten vermuteten Impfnachwirkungen werden vermutlich dafür herhalten müssen).

Druck schwingt auch permanent in den Medien mit, auch wenn in Rumänien nicht über einen allgemeinen Impfzwang diskutiert wird, der meiner Meinung nach auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung stoßen würde. Vereinzelt werden jedoch Versuchsballons gestartet und bereits an gezielt ausgewählten Berufsgruppen die rote Linie ausgetestet:

Andrei Cornea fragt sich, ob die Regierung angesichts des enormen kollektiven Einsatzes nicht auch Druck ausüben sollte, indem sie ihre Sanftmut gegenüber Impfverweigerungen aufgibt? Warum kann medizinisches Personal, das die Impfung ohne legitimen Grund ablehnt, nicht mit einer Geldstrafe belegt werden? Warum kann nicht dasselbe mit dem Lehrpersonal in der gleichen Situation getan werden? Es gibt kein Recht, einen bestimmten Beruf auszuüben, wenn man wissentlich diejenigen gefährdet, mit denen man arbeitet.

Quelle: -> RFI

Stand der CoVid-19-Impfung

Bis vor wenigen Wochen schien die Impfkampanie, die in den Medien extrem beworben wird, auf fruchtbaren Boden zu fallen. Vor allem viele der älteren Rumänen scheinen die vermeintliche CoVid-19-Gefahr sehr ernst zu nehmen und tragen daher sogar auf freier Landstraße brav und gesetzestreu ihre Masken. Dieser Klientel sind vermutlich auch die meisten seit 27. Dezember bis zum 13. Mai geimpften knapp 3,8 Millionen Personen zuzuordnen. Vollständig geimpft sind derzeit 1,17 Millionen Personen.
Im Județul Botoșani wollte sich ein 49-jähriger Mann vorsichtshalber gleich -> vier Mal mit Pfizer impfen lassen, was aber nach der dritten Dosis auffiel.
Die Zahl der Nebenwirkungen wird vom CNCAV mit 15.000 angegeben, was einer Rate von 2,4% entspricht.

Inzwischen scheint die Impfbereitschaft aber merklich nachzulassen, wie Ziarul Financiar berichtet. Im Vergleich zu April ist die Verimpfung der Erstdosis um 20% gefallen. Innovativ und unfreiwillig zynisch wurde kürzlich mit einem -> „Impf-Marathon“ auf der Burg Bran und einer Urkunde „Geimpft auf der Burg Bran“ für den Impfling, sowie einer kostenlosen Eintrittskarte in die dortige Folterkammer geworben. Vor allem auf dem Land findet die CoVid-19-Impfung wenig Zuspruch. So sind derzeit mobile Impftrupps geplant, die alle kleineren Städte und Gemeinden anfahren sollen. Dafür sollen neben Künstlern auch die Bürgermeister und Priester gewonnen werden. Allerdings gehören die meisten Bürgermeister auf dem Land der PSD, also der Opposition an und die werden vermutlich wenig Interesse haben, im Auftrag der Regierung von Haus zu Haus zu gehen, um ihre Bürger von der Impfung zu überzeugen. Auch der oberste Patriarch Rumäniens verweigert bisher standhaft die Impfung.
Offizielles Argument für die mobilen Impffahrzeuge sind die schlechten Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wobei die auf dem Land sowieso kaum genutzt werden. Man spricht sich hier ab und fährt gemeinsam mit dem Auto.

Ab Ende des Monats soll es für rückkehrende Rumänen möglich sein, sich direkt an der Grenze in Nadlak gegen CoVid-19 impfen zu lassen. Als Begründung wurde angegeben, dass man festgestellt habe, dass viele im EU-Ausland wohnhaften Rumänen schon seit Wochen den Weg bis nach Arad auf sich nehmen, um sich vor Ort immunisieren zu lassen.

Einschätzung

Im Grunde läuft die Entwicklung synchron zu der in Deutschland und in anderen EU-Ländern. Allerdings steht die Regierung unter erheblichem Druck durch die Opposition. Die Regierungskrise der letzten Wochen hat zu einer merklichen Schwächung beigetragen und die PSD und vor allem die rechtspatriotische AUR verzeichnen verbesserte Zustimmungswerte.

PNL 23.50%
PSD 22.14%
AUR 15.53%
USRPLUS 13.59%
UDMR 8.64%
PMP 4.66%
PRO ROMANIA 4.17%

Als Optimist könnte man annehmen, dass Rumänien in der CoVid-19-Pandemie nur mitspielt, denn aus dem Topf des Europäischen Hilfsfonds zur Bewältigung der Folgen der CoVid-19-Krise sind 29 Milliarden Euro zu holen. Bei einem Einnahmevolumen des Staates von knapp 50 Milliarden EUR eine echte Goldgrube. Wirtschaftlich steht Rumänien relativ stabil da und hat für das erste Quartal 2021 einen Zuwachs des BIP von 2,8% im Vergleich zum Vorjahresquartal erzielt. Im Jahr zuvor (2020 im Vergleich zu 2019) war nur ein Quartals-Minus von 0,2% zu verzeichnen.
Dagegen spricht allerdings ein glühender Europaverfechter Iohannis, der voll auf EU-Linie liegt. Das gilt sowohl beim Impfausweis, als auch bei der Rassismus-Debatte, bei Antisemitismus und bei der Diskussion um „Hass und Hetze“ im Netz.

Dauerhaft wird sich auch Rumänien nicht der Realität verweigern können und Fakten, wie sie in den USA geschaffen werden, ignorieren können: -> In 22 US-Bundesstaaten gibt es seit Monaten keinerlei Corona-Maßnahmen mehr … und trotzdem kein überlastetes Gesundheitswesen.


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