Einmal um die Welt: Obst und Gemüse

Trauben aus Südafrika

Vielen Kindern zumindest meiner Generation wurde immer wieder erklärt, dass wir unsere Pausenbrote aufessen sollten, denn „Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie überhaupt etwas zu essen hätten!“. Während der Pause war die Frage, wie man das Brot nach Afrika bringen könnte und da es bis dahin vermutlich nicht mehr ohne gesundheitliche Bedenken genießbar war, blieb nur noch zu klären, was es für ein afrikanisches Kind für einen Unterschied macht, ob das Brot im Abfalleimer oder im Magen landet. Also entschied man sich oft für den Abfalleimer, nicht ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Das schlechte Gewissen scheint aber die Kunden von heute kaum zu plagen, wenn sie Obst und Gemüse kaufen.

Ein Besuch beim Discounter

Heute ist Anfang April, die ersten Obstbäume blühen und es wird langsam wärmer. Bei einem Blick in die Obst- und Gemüseregale eines Discounters staunt man über die Vielfalt des Angebots. Der April ist nicht gerade als Erntemonat für Trauben und Blaubeeren bekannt. Auch Mango und Granatäpfel wären nach dem letzten Frost im März bereits kompostiert und heute schon eher in einen humusähnlichen Zustand übergegangen. Und in Anbetracht der seit Jahren andauernden Klimadiskussionen liest man mit einem zunehmend schlechten Gefühl die Liste der Herkunftsländer.

Klicken Sie sich hier mal durch und staunen Sie!

Passionsfrüche aus Zimbabwe
Granatäpfel aus Südafrika
Mangos aus Peru
Heidelbeeren aus Chile
Trauben aus Südafrika
Trauben aus Indien
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Zumindest Trauben und Heidelbeeren sind schnell verderblich und können nur per Flugzeug zu uns gelangen. Pro Kilogramm Lebensmittel entstehen bei einem Flugtransport aber bis zu 220-mal so viele klimaschädliche Emissionen wie bei einem Schiffstransport. Das gilt auch, wenn die Ware in Passagierflugzeugen transportiert wird, da der Kerosinverbrauch mit jedem Kilogramm Fracht steigt.

Nun bin ich kein Anhänger der CO2-Theorie, weil es sich um ein Gas handelt das die Flora zwingend braucht und sozusagen ein natürlicher Dünger ist, aber ich halte diese Verschwendung von Energie, das Erzeugen von Verbrennungsabgasen in höheren Luftschichten und die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte in den Herkunftsländern für ziemlich unklug. Der Transport mit Frachtschiffen ist übrigens auch nicht gerade umweltfreundlich, da hier Schweröl als Abfallprodukt aus der Erdölverarbeitung mit Diesel vermischt als Treibstoff dient.

Anbau in Europa

Wer nun glaubt, dass er europäische Produkte sorgenlos kaufen kann, der wird bitter enttäuscht. In einer Dokumentation der ARD mit dem Titel „Europas dreckige Ernte“ kommen auch Bio-Produzenten nicht gerade gut weg (-> hier ab Minute 14:30). In holländischen Gewächshäusern muss geheizt werden, damit die geschmacklosen Gurken und Tomaten in ihrer Nährlösung nicht erfrieren und wir wiederum exportieren aus Deutschland jedes Jahr allein rund 900.000 Tonnen Obst und Nüsse ins Ausland. Wie umfangreich die Im- und Exporte sind kann man auf -> gabot.de nachlesen. Dort sind auch Zahlen zu „Re-Export“ angegeben, der sich nur durch die Subventionierung durch die EU lohnt.

Saisonales Einkaufen, regionale Produkte

Der ständige Verzehr von exotischem Obst und Gemüse und die Kenntnis über Aussehen, Geschmack und angebliche gesundheitliche Vorteile scheint manchem Zeitgenossen ein Symbol von Weltgewandtheit zu sein. Der eigentlich unnötige Schaden für die Umwelt und der sinnlose Ressourcenverbrauch wird einfach ausgeblendet.

Dabei hat neben den negativen Umweltsspekten der saisonal ausgerichtete Einkauf etliche Vorteile. Obst und Gemüse sind saisonal ebenfalls günstig, werden vollreif geerntet und sind daher oft wesentlich besser im Geschmack als auf dem Transportweg gereiftes Importobst und -gemüse. Saisonal ausgerichtete Ernährung ist zudem durch einen den Jahreszeiten angepassten Speiseplan abwechslungsreich und gesund. Unsere heimischen Sorten sind über Jahrhunderte genau dafür gezüchtet worden. Seien es lagerfähige Äpfel, Wintergemüse wie Rosenkohl, Lauch, Weißkraut oder die Konservierungstechniken wie Dörren, Fermentieren oder Einkochen. Auch die traditionelle Küche ist mit einer Vielzahl regionaler Rezepte den Jahreszeiten angepasst.

Auf der Seite -> regional-saisonal kann man sich über die Verfügbarkeit regionaler Obst-, Gemüse- und Salatsorten in übersichtlichen tabellen informieren.

Das ist übrigens auch ein ganz heisser Tipp für die #Fridays4Future-Demonstranten!

Saisonale Rezepte für den Winter:
-> Linseneintopf
-> Krautsalat
-> Rosenkohl mit Kassler
-> Auflauf mit Hackfleisch und Rosenkohl

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